Schulverweigerung - Die 2. Chance

Das Programm Schulverweigerung - Die 2. Chance als Teil der Initiative JUGEND STÄRKEN

Das Programm Schulverweigerung - Die 2. Chance ist Bestandteil der Initiative JUGEND STÄRKEN, mit der das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend ein deutliches Zeichen für eine starke Jugendpolitik und die bessere Integration junger Menschen in Deutschland setzt. Die Initiative JUGEND STÄRKEN verknüpft vier Programme an bundesweit mehr als 1.000 Standorten zu einem starken Netz und bietet Jugendlichen mit schlechteren Startchancen und jungen Menschen mit Migrationshintergrund fachkundige soziale, schulische und berufliche Begleitung und Hilfen.

Das Programm Schulverweigerung – Die 2. Chance richtet sich an Jugendliche, die ihren Hauptschulabschluss durch aktive oder passive Schulverweigerung gefährden. Ziel des Programms ist es, diese Jugendlichen in das Schulsystem zurückzuführen und ihre Chancen auf einen Schulabschluss zu verbessern. Bundesweit stehen rund 200 Anlauf- und Beratungsstellen zur Verfügung. Das vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gesteuerte Programm wird aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds (ESF) finanziert.

Aktuelle Situation / Überblick

Das Konzept

Projekträger GlobalSozial e.V.
Aschaffenburg Stadt und Landkreis


Der Verein GlobalSozial e.V. ist vorrangig im Bereich der Jugendsozialarbeit in Projekten mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen U25 tätig. Als innovativer, freier und unabhängiger Träger ist unser Ziel, zeitnah und flexibel auf gesellschaftliche Veränderungen gerade in Form der Initiierung und Durchführung von Modellprojekten zu reagieren. Die Anerkennung als Träger der freien Jugendhilfe steht unmittelbar bevor.

Wir stehen für individuelle Beratung und Begleitung mit flexibler, passgenauer und bedarfsgerechter Qualifizierung. Neben Vermittlung von Wissen und berufsrelevanten Fähigkeiten ist der Aufbau sozialer Kompetenzen und Schlüsselqualifikationen ebenso von Bedeutung wie die Vermittlung gesellschaftlicher Werte und Normen. Ziel ist die individuell abgestimmte Begleitung zur Verbesserung der Lebens- und Wohnsituation, sowie des sozialen Umfeldes von wirtschafts-, herkunfts- und bildungsbeeinträchtigten Personengruppen. Wir arbeiten mit neuesten Methoden der Sozialarbeit ( z.B. MI, Moca ) und div. innovativen Ansätzen der Kompetenzfeststellung.

Ansprechparter


Zielgruppe

Schülerinnen und Schüler können in das Programm einbezogen werden,

- ab dem Alter von 12 Jahren und maximal bis zum Beginn des individuell letzten Schulbesuchsjahres

- die eine Hauptschule, eine Förderschule oder eine andere Schulform besuchen, auf der der Erwerb eines Hauptschulabschlusses möglich ist,

- die ihren Schulabschluss belegbar durch aktive oder passive Schulverweigerung gefährden.

Ziele

"Schule ist nicht nur Lernort, sondern gleichzeitig Lebensort der Kinder."

- Integration der SchülerInnen mit schulverweigernder Haltung in das Regelschulsystem

- Unterstützung der SchülerInnen bei Erreichung eines Schulabschlusses, auch durch externe Beschulung, bzw. externe Prüfung

- Begleitung der SchülerInnen in den Ausbildungsmarkt - auch nach externer Beschulung

- Begleitung der Eltern durch Stärkung und Erweiterung ihrer Erziehungskompetenz.

- Gewinnung der Schüler für die Angebote des Projektes innerhalb und außerhalb der Schule, wie z.B. Erlebnispädagogik, Bewegung, Arbeitsweltbezug

- Sensibilisierung der pädagogischen Lehrkräfte für das sich ergänzende pädagogische Wirken

- Soziale und familiäre Problemlagen erkennen und gemeinsam mit den SchülerInnen konkrete persönliche und berufliche Perspektiven erarbeiten (mit Elementen aus der Kompetenzwerkstatt und Kunst- und lösungsorientiertem Coaching, Biografiearbeit u.v.m.)

- Kinder bei der Teilhabe an örtlicher Freizeit- und Angebotskultur unterstützen - soziale Verantwortungsübernahme aller Beteiligten stärken

- Einrichten einer Sprechstunde in der Schule und in der Tageseinrichtung für Eltern - erzieherische Ressourcen finden, wecken und entwickeln

- themenbezogene Impulsgruppen für Eltern und Lehrer: gegenseitige Stärkung durch teilweise fachlich begleiteten und moderierten Austausch in und außerhalb der Schule

- einzelfallbezogene Zusammenarbeit mit den beteiligten Lehrern


Schwerpunkte und Arbeitsbereiche: Reintegrative Hilfen

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Case Management "Schulverweigerung - die 2. Chance"

- Aufnahmephase in das Projekt - Zugang:

Kontaktaufnahme durch Rückmeldung einer Lehrkraft, der Eltern oder des Jugendamtes.

- Clearingphase - Anamnese, Beratung und sozialpädagogische Begleitung:

Motivation des Jugendlichen und Teilnahme am Hilfeplangespräch durch vertrauensbildende Gespräche und oder gemeinsame Aktivitäten außerhalb der Schule.

Einsatz des biografieorientierte Interviews zur Beschäftigung mit Erfahrungen aus Vergangenheit, Familie, Schule, Freizeit, Beruf, die für die weitere berufliche Entwicklung bedeutend sind.

Anwendung der motivierenden Gesprächsführung nach Miller/Rollnick.

Individuelle Diagnose: Selbstreflektion der aktuelle Lebenssituation, ressourcenorientierte Kompetenzfeststellung (Einsatz von Elementen der Kompetenzwerkstatt des Zukunftszentrums Tirol), Einsatz von Teilen der Kompetenzbilanz (ICOVET), welche auf informelle Kompetenzen in sieben verschiedenen Aktivitätsbereichen abzielt.

Entwicklung erster Schritte eines individuellen Förderplanes unter Einbeziehung der momentanen Lebenswirklichkeit des Kindes, seines subjektiv aktuell als positiv bewerteten Lebensumfeldes: Integrieren des Freizeitverhaltens, Verstärkung bereits erschlossener Ressourcen, wie z.B. Kontakt zu Vereinen, der Verwandtschaft und der Peergroup.

Entwicklung individueller Handlungskonzepte auf bisherige Erfolge aufbauend.

Problemanalyse mit den Eltern zur Entwicklung der Lern- und Leistungssituation sowie der Persönlichkeit des Kindes: Eltern als Experten in Bezug auf ihre Kinder annehmen und bereits vorhandenes Potential des Miteinanders sichtbar werden lassen. Gemeinsame Verständigung / Bestandsaufnahme in Bezug auf bereits vorhandene und aus Sicht der Eltern noch fehlende Entwicklungsunterstützung des Kindes.

Rücksprache mit den zuständigen Lehrern des Kindes. Gemeinsame Analyse und Reflexion der bisherigen Bestandsaufnahme. Benennen und Abgrenzen der aktuellen Mindestanforderungen der Schule an das Kind.

- Trainingsphase - Bildungsmodule - Integrationsplan:

Gezielter Einsatz der vorhandenen Ressourcen durch gemeinsame Aktivitäten von Eltern und Kindern, bzw. mit Freunden und sozialem Umfeld, eventuelle Barrieren gegenüber Angeboten für Mütter und Väter mit besonderen Sprachschwierigkeiten abbauen und zugänglich machen: z.B. durch Initiieren von gemeinsamen Festen und Aktivitäten mit interkulturellem Angebot.

Eröffnen neuer Möglichkeiten der Einbindung in das Gemeinwesen: gemeinsame Kontaktaufnahme zu Vereinen und zu vorhandenen Freizeitangeboten innerhalb des Netzwerkes: spezielle Angebote für Mädchen, Jungen und Kindern mit Migrationshintergrund benennen und erschließen.

Förderung der Lernkompetenz: Aufarbeitung von Lerndefiziten durch Projektarbeit und praxisorientierten Angeboten (Nutzung der Infrastruktur von GlobalSozial, JUKUZ und SJR, sowie lernunterstützender Angebote des Kinderschutzbundes).

Soziales Kompetenztraining zur Sensibilisierung eigener Werte und Einstellungen: Einsatz des kunst- und lösungsorientierten Coachings.

Zugang zu bestehenden altersübergreifenden Angeboten der Schule wie z.B. ehrenamtliches Lesepatenprojekt oder kulturellen, sportlichen und erlebnispädagogischen Aktivitäten schaffen und nutzbar machen.

In der Trainingsphase (Ganztagsangebot unter Nutzung der sozialräumlichen Angebote zur Freizeitgestaltung) besteht das Ziel im selbstständigen Einhalten der Tages- und Wochenstruktur und in der Umsetzung des individuellen Entwicklungsplanes. Die Trainingsphase ist durch klare Regeln und Strukturen gekennzeichnet.

Module mit Lerninhalten, Projektarbeiten und praxisorientierten Angeboten, z.B. Angebote in Werkstätten auch entsprechend den Zielen des individuellen Bildungs- und Förder-/Entwicklungsplan werden umgesetzt. Die Lernkompetenz wird gefördert und Leistungsdefizite können individuell aufgearbeitet werden. Zudem wird an der Stärkung der sozialen Verhaltensweisen gearbeitet, um die Jugendlichen in der Wahrnehmung ihres eigenen Verhaltens weiter zu sensibilisieren und gegebenenfalls zu verändern.

Reintegrationsphase:

Schrittweise Teilnahme am Regelunterricht, Sensibilisierung der Lehrer und Mitschüler in Bezug auf Schaffung eines ressourcen- und erfolgsorientierten Präsentationsrahmens des Schülers oder der Schülerin unter Berücksichtigung seiner Herkunft. Berufsorientierung durch Angebote der KOALA (Werkstätten GlobalSozial und bfz), der VBO und der Agentur für Arbeit.

Lern- und bewerbungsunterstützende Angebote der Ehrenamtlichen aus WABE, des Kinderschutzbundes, örtlich vorhandener Vereinsstrukturen (auch der Vielzahl der Angebote einzelner interkulturell geprägter Vereine) und der Mädchensozialarbeit von InVia.

Regelmäßige Teilnahme der Eltern an Impulsgruppen für Mütter und Väter und an Veranstaltungen der Schule.

Die Mitarbeiterin war von Januar 2007 bis Dezember 2008 Casemanagerin in KOALA und verfügt über eine Zusatzausbildung zur Sozialpädagogischen Familienhelferin (Heidelberger Modell).



Aktuelle Situation / Überblick

Kurzer Jahresüberblick des ersten Jahres "2. Chance" Aschaffenburg 2009

Lokales Fördersystem und Angebotsstruktur


Das Erstellen der Unterstützungslandkarte ist in Stadt und Landkreis Aschaffenburg erfolgt. Es haben sich besonders im Landkreis vielfältige Kooperationsebenen ergeben, die über das bereits bekannte Netzwerk hinaus "ins Boot geholt werden" konnten. So konnten der Bürgermeister und der Jugendpfleger des Landkreises für eine jetzt konkret bevorstehende Eröffnung eines Jugendtreffs gewonnen werden. Ein kooperatives Musikprojekt mit dem ortsansässigen Musikverein im neuen Schuljahr konnte gestartet werden. In der Stadt eröffnet die Zusammenarbeit mit dem Jugendhaus ebenfalls Perspektiven für eine Vielzahl übergreifender Projekte. Die enge Vernetzung mit dem SJR hat den Zugang zur interkulturellen Jugendsozialarbeit eröffnet. Die eng abgestimmte Zusammenarbeit mit der erweiterten vBO (Kompetenzwerkstatt) stellt wie alle anderen aufgezählten Projekte ebenfalls ein Element der Sozialen Gruppenarbeit dar. Außerdem wurde das Projekt Sozialpaten mit beiden Ehrenamtsagenturen gestartet.

Netzwerkarbeit

Es wurden je eine Steuerungsrunde für Stadt und LK AB einberufen, diese finden zwei Mal im Kalenderjahr statt (aktuell haben bisher 4 stattgefunden). Die Steuerungsrunden werden sehr gut angenommen, insbesondere weil sie die entscheidenden und damit handlungsfähigen Foren der konkreten Kooperationen für alle internen und externen Akteure an den Schulen bedeuten. Kritisch ist hier allerdings anzumerken, dass im Zuge dieser Steuerungsrunden wieder ein Mal deutlich wurde, dass es viel zu viele Arbeitskreise gibt. Das Ziel sollte sein viele der AKs themenzentriert zusammen zu fassen, da in einer überschaubaren Region wie Aschaffenburg letztlich immer dieselben Akteure in den verschiedenen Gremien sitzen und diese Vielzahl der Termine eher kontraproduktiv hinsichtlich der Effizienz des Gesamtprozesses ist. Dieses Thema wird im Zuge der aktuellen Bildungsleitplanung der Stadt thematisiert werden. Die Untergruppen bilden sich fallbezogen und zeichnen sich durch kurze funktionierende Wege aus.

Einzelfallbegleitung

Insgesamt 12 Jugendliche konnten im Berichtszeitraum aufgenommen werden. 5 dieser Fälle mussten vorzeitig beendet werden wegen Heimunterbringung. 6 TN befinden sich noch im Casemanagement, ein Fall wurde erfolgreich abgeschlossen. Im Fall der drei Heimunterbringungen kam buchstäblich der Einsatz von 2. Chance "zu spät". Trotz sehr gut funktionierender Zusammenarbeit mit den Sorgeberechtigten, Jugendamt und Polizei überwog letztendlich aus Sicht des Jugendamtes die Dringlichkeit, diese Kinder in Heimen unterzubringen, um eine weitere Gefährdung der Kinder durch den Einfluss ihres negativen sozialen Umfeldes zu verhindern. Die Koordinierungsstelle hat daraufhin im Juli eine außerordentliche Sitzung der Kooperationspartner einberufen, um auf die Notwendigkeit eines außerschulischen Lernortes hinzuweisen. Die Zusammenarbeit mit den TN und deren Familien gelang sehr gut, Gruppenangebote wurden entwickelt und Unterstützungsangebote erfolgreich angenommen und umgesetzt.





„Die Maßnahme wird aus dem Europäischen Sozialfonds kofinanziert.“






Leitung des Projektes:











 
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